„Es ist langsam“ ist keine Diagnose, sondern ein Symptom. Und zugeschrieben wird es fast immer dem Provider, dem bequemsten Verdächtigen. Nach unserer Erfahrung verteilt sich die Schuld in Wirklichkeit ziemlich breit.
Die vier üblichen Verdächtigen
- Das WLAN, nicht die Leitung. Ungleich verteilte Abdeckung, von den Nachbarn überfüllte Kanäle oder alte Access Points. Zu erkennen daran, dass es per Kabel gut läuft.
- Ein Gerät, das das Netz auslastet: eine schlecht geplante Sicherung mittags, ein großes Update oder ein kompromittierter Rechner.
- Der Router des Providers, der in vielen Büros der Engpass ist: Er verkraftet die gleichzeitigen Verbindungen eines Unternehmens nicht.
- Die Leitung, ja, aber oft wegen des Uploads, nicht wegen des Downloads: Videokonferenzen und Sicherungen in der Cloud gehen nach oben.
Was Sie messen sollten, und warum der Speedtest auf dem Handy nichts taugt
Ein einzelner Test misst einen Moment und einen Ort. Das Problem ist fast nie konstant: Es tritt um elf auf, wenn alle online sind, oder dienstags, wenn die Sicherung läuft. Man muss kontinuierlich messen:
- Tatsächlicher Durchsatz im Upload und im Download, über mehrere Tage hinweg.
- Latenz und Jitter, denn genau das lässt eine Videokonferenz stocken, selbst wenn der Durchsatz gut ist.
- Paketverlust: Schon 1 % dauerhaft macht sich bemerkbar, und in keinem Speedtest taucht das auf.
- Auslastung nach Tageszeit, um zu sehen, ob das Problem eine Uhrzeit hat.
Wie Sie den Provider zum Handeln bringen
Eine Meldung „bei mir ist es langsam“ schließt sich von selbst. Ein Bericht mit datierten Messungen, mit Paketverlust und mit dem Vergleich zur vertraglich zugesagten Bandbreite nicht. Verlangen Sie den Störungsschein mit Ticketnummer und berufen Sie sich auf das Service-Level-Agreement des Vertrags, falls es eines gibt. Bei Geschäftsanschlüssen gibt es meist eines; bei als Geschäftsanschluss verkleideten Privatanschlüssen nicht.
Der Messbericht ist das Einzige, was aus „es ist langsam“ eine Störung macht, die jemand beheben muss.
Und wenn die Leitung in Ordnung ist
Dann muss man nach innen schauen: Verkabelung, Netzwerktechnik, WLAN und Endgeräte. Das ist der Teil, den fast nie jemand geprüft hat und in dem das eigentliche Problem meistens steckt.



